
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
1 Danach wanderte Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die Juden ihm nach dem Leben trachteten. 2 Das Laubhüttenfest der Juden war nahe. 3 Da sagten seine Brüder zu ihm: Zieh von hier weg und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst. 4 Denn niemand wirkt im Verborgenen und bemüht sich zugleich um öffentliche Anerkennung. Wenn du schon so wirkst, so zeige dich der Welt! 5 Nicht einmal seine Brüder glaubten nämlich an ihn. 6 Da sagte Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da. Euere Zeit aber ist immer bereit. 7 Euch kann die Welt nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich bezeuge, dass ihre Werke böse sind. 8 Geht ihr nur hinauf zum Fest. Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest, weil meine Zeit noch nicht erfüllt ist.
(Hom. xlviii. 2) Oder es scheint ein anderer Sinn in den Worten verborgen zu sein; vielleicht beabsichtigten sie, Ihn an die Juden zu verraten; und daher sagt Er: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen“, d. h. die Zeit meines Kreuzes und Todes; „aber eure Zeit ist immer bereit“; denn obwohl ihr immer bei den Juden seid, werden sie euch nicht töten, weil ihr mit ihnen eines Sinnes seid: „Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich von ihr bezeuge, dass ihre Werke böse sind“; als ob Er sagte: Wie kann die Welt die hassen, die dieselben Wünsche und Ziele mit ihr haben? Sie hasst Mich, weil ich sie zurechtweise. Ich suche also nicht Ruhm von Menschen; da ich nicht zögere, sie zurechtzuweisen, obwohl ich weiß, dass ich deshalb gehasst werde und dass man mir nach dem Leben trachtet. Hier sehen wir, dass der Hass der Juden auf seine Zurechtweisungen zurückzuführen war, nicht auf seine Übertretung des Sabbats.