Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Johannesevangelium 6
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (das ich hingebe) für das Leben der Welt.
Das ich geben werde: dies zeigt seine Macht; denn es zeigt, dass er nicht als Diener, in Unterwerfung unter den Vater, gekreuzigt wurde, sondern aus eigenem Antrieb; denn obwohl gesagt wird, dass er vom Vater dahingegeben wurde, hat er sich doch auch selbst dahingegeben. Und beachte: Das Brot, das wir in den Mysterien empfangen, ist nicht nur das Zeichen des Fleisches Christi, sondern ist selbst das wahre Fleisch Christi; denn er sagt nicht: Das Brot, das ich geben werde, ist das Zeichen meines Fleisches, sondern: ist mein Fleisch. Das Brot wird durch einen mystischen Segen in unaussprechlichen Worten und durch die Einwohnung des Heiligen Geistes in das Fleisch Christi verwandelt. Aber warum sehen wir das Fleisch nicht? Weil, wenn das Fleisch gesehen würde, es uns so sehr abstoßen würde, dass wir nicht in der Lage wären, daran teilzuhaben. Und deshalb wird uns aus Herablassung zu unserer Schwachheit die mystische Speise unter einer unserem Verstand angemessenen Gestalt gegeben. Er gab sein Fleisch für das Leben der Welt, indem er durch seinen Tod den Tod zerstörte. Unter dem Leben der Welt verstehe ich auch die Auferstehung; denn der Tod unseres Herrn hat die Auferstehung des gesamten Menschengeschlechts bewirkt. Es kann auch das geheilte, selige, geistliche Leben bedeuten; denn obwohl nicht alle dieses Leben erlangt haben, hat unser Herr sich doch für die Welt hingegeben, und soweit es an ihm liegt, ist die ganze Welt geheiligt.