
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 6
35 Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. 36 Aber ich habe euch ja gesagt, dass ihr mich zwar gesehen habt, aber doch nicht glaubt. 37 Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und den, der zu mir kommt, werde ich gewiss nicht verstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, verliere, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben hat und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag.
(Tr. xxv. 15) Dies ist der Grund, warum Er die nicht hinauswirft, die zu Ihm kommen. Denn Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um Meinen Willen zu tun, sondern den Willen Dessen, der Mich gesandt hat. Die Seele hat sich von Gott entfernt, weil sie stolz war. Der Stolz stößt uns hinaus, die Demut stellt uns wieder her. Wenn ein Arzt bei der Behandlung einer Krankheit bestimmte äußere Symptome heilt, aber nicht die Ursache, die sie hervorruft, ist seine Heilung nur vorübergehend. Solange die Ursache bleibt, kann die Krankheit zurückkehren. Damit also die Ursache aller Krankheiten, d. h. der Stolz, ausgerottet werde, hat sich der Sohn Gottes erniedrigt. Warum bist du stolz, o Mensch? Der Sohn Gottes hat sich für dich erniedrigt. Es könnte dich vielleicht beschämen, einen demütigen Menschen nachzuahmen; aber ahme wenigstens einen demütigen Gott nach. Und dies ist der Beweis Seiner Demut: Ich bin nicht gekommen, um Meinen Willen zu tun, sondern den Willen Dessen, der Mich gesandt hat. Der Stolz tut seinen eigenen Willen; die Demut den Willen Gottes.