
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 6
22 Am nächsten Tag sah die Menge, die jenseits des Sees stand, dass dort kein anderes Boot gewesen war außer dem einen und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern ins Boot gestiegen war, sondern dass seine Jünger allein weggefahren waren. 23 Aus Tiberias kamen andere Boote in die Nähe des Ortes, wo sie nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatten. 24 Als die Menge sah, dass weder Jesus noch seine Jünger da waren, stiegen sie selbst in die Boote und fuhren nach Kafarnaum, um Jesus zu suchen. 25 Als sie ihn am anderen Ufer des Sees gefunden hatten, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? 26 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. 27 Müht euch nicht um die Speise, die vergänglich ist, sondern um die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
(Hom. xliv. 1.) Da aber einige, die in Trägheit leben wollen, dieses Gebot verdrehen: Müht euch nicht usw., ist es gut, zu beachten, was Paulus sagt: Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr, mit seinen Händen zu arbeiten, was gut ist, damit er dem Bedürftigen etwas geben kann. (Eph 4,28) Und er selbst arbeitete auch mit seinen Händen, als er bei Aquila und Priscilla in Korinth wohnte. Mit den Worten: Müht euch nicht um die Speise, die vergänglich ist, will unser Herr uns nicht sagen, wir sollen müßig sein; sondern arbeiten und Almosen geben. Das ist die Speise, die nicht vergänglich ist; sich um die vergängliche Speise mühen heißt, den Interessen dieses Lebens hingegeben sein. Unser Herr sah, dass die Menge nicht daran dachte zu glauben, sondern nur ihre Bäuche füllen wollte, ohne zu arbeiten; und dies nannte Er mit Recht die vergängliche Speise.