
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
31 Wenn ich für mich selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis nicht glaubwürdig. 32 Ein anderer ist es, der Zeugnis für mich ablegt, und ich weiß, dass das Zeugnis, das er von mir gibt, glaubwürdig ist. 33 Ihr habt zu Johannes geschickt und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt. 34 Ich aber nehme von einem Menschen kein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet. 35 Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet. Ihr aber wolltet euch für den Augenblick an ihrem Licht erfreuen. 36 Ich aber habe ein größeres Zeugnis als das des Johannes; denn die Werke, die mir der Vater zu vollbringen übertragen hat, eben diese Werke, die ich tue, legen Zeugnis für mich ab, dass mich der Vater gesandt hat. 37 Auch der Vater, der mich gesandt hat, hat Zeugnis für mich abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen 38 und auch sein Wort wohnt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat. 39 Ihr durchforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben. Gerade sie sind es, die Zeugnis von mir geben. 40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um Leben zu haben.
(Hom. xl. 3) Oder der Zusammenhang kann so dargestellt werden. Sie könnten zu ihm sagen: Wie, wenn wir niemals Gottes Stimme gehört haben, hat Gott von dir Zeugnis gegeben? So sagt er: Erforscht die Schriften; das bedeutet, dass Gott durch die Schriften von ihm Zeugnis gegeben hat. Er hatte zwar am Jordan und auf dem Berg Zeugnis gegeben. Aber sie hörten die Stimme auf dem Berg nicht und achteten nicht auf sie am Jordan. Deshalb verweist er sie auf die Schriften, wo sie auch das Zeugnis des Vaters finden würden. (Hom. xli. 1). Er verwies sie jedoch nicht einfach auf die Schriften, um sie zu lesen, sondern um sie aufmerksam zu prüfen, weil die Schrift stets einen Schatten über ihren eigenen Sinn warf und ihn nicht an der Oberfläche zeigte. Der Schatz war gleichsam vor ihrem Auge verborgen. Er sagt nicht: Denn in ihnen habt ihr ewiges Leben, sondern: Denn in ihnen meint ihr ewiges Leben zu haben; das bedeutet, dass sie nicht viel Frucht aus den Schriften zogen, da sie meinten, sie würden allein durch das Lesen ohne Glauben gerettet werden. Deshalb fügt er hinzu: Ihr wollt nicht zu mir kommen; d. h. ihr wollt nicht an mich glauben.