
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
30 Ich kann nichts aus mir selbst tun. Wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht. Denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
(Serm. contr. Arrian. c. 9. [xiv.]) Wie ich höre, so richte ich, wird gesagt mit Bezug entweder auf seine menschliche Unterordnung als der Menschensohn oder auf jene unwandelbare und einfache Natur der vom Vater abgeleiteten Sohnschaft; in welcher Natur Hören und Sehen identisch ist mit Sein. (ut sup. c. xvii.). Deshalb richtet er, wie er hört. Das Wort ist eins mit dem Vater gezeugt und richtet daher nach der Wahrheit. (c. xviii). Es folgt: Und mein Gericht ist gerecht, weil ich nicht meinen eigenen Willen suche, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat. Dies soll uns zu jenem Menschen (sc. Adam) zurückführen, der, indem er seinen eigenen Willen suchte, nicht den Willen dessen, der ihn gemacht hatte, sich selbst nicht gerecht richtete, sondern ein gerechtes Urteil über sich ergehen lassen musste. Er glaubte nicht, dass er durch Tun seines eigenen Willens, nicht Gottes, sterben würde. So tat er seinen eigenen Willen und starb; weil das Gericht Gottes gerecht ist, welches Gericht der Sohn Gottes vollstreckt, indem er nicht seinen eigenen Willen sucht, d. h. seinen Willen als der Menschensohn. Nicht dass er keinen Willen beim Richten hätte, aber sein Wille ist nicht in dem Sinne sein eigener, dass er vom Willen des Vaters verschieden wäre.