
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
25 Amen, amen, ich sage euch: Es kommt die Stunde und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben. 26 Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben.
Die Häretiker, durch Schriftbeweise hart bedrängt, sind gezwungen, dem Sohn wenigstens eine Ähnlichkeit in Bezug auf die Tugend mit dem Vater zuzuschreiben. Aber sie geben keine Wesensähnlichkeit zu, da sie nicht sehen können, dass eine Ähnlichkeit der Tugend nicht entstehen könnte außer aus einer Ähnlichkeit des Wesens; denn eine niedrigere Natur kann niemals die Tugend einer höheren und besseren erreichen. Und es kann nicht geleugnet werden, dass der Sohn Gottes dieselbe Tugend wie der Vater hat, wenn er sagt: Was immer (der Vater) tut, das tut auch der Sohn ebenso. Aber es folgt eine ausdrückliche Erwähnung der Wesensähnlichkeit: Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich selbst zu haben. Im Leben sind Natur und Wesen enthalten. Und der Sohn, wie er es hat, so hat er es ihm gegeben. Denn dasselbe, was in beiden Leben ist, ist in beiden Wesen; und das Leben, d. h. das Wesen, das aus dem Leben gezeugt ist, ist geboren; obwohl nicht unähnlich dem anderen geboren. Denn da es Leben aus Leben ist, bleibt es in seiner Natur seinem Ursprung ähnlich.