
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
21 Denn wie der Vater die Toten erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. 22 Der Vater richtet ja auch niemand, sondern er hat alles Gericht dem Sohn übergeben, 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
(Tr. xxi. s. 11.) Doch wer sind diese Toten, die der Vater und der Sohn zum Leben erwecken? Er spielt auf die allgemeine Auferstehung an, die kommen wird; nicht auf die Auferstehung jener wenigen, die zum Leben erweckt wurden, damit die übrigen glauben; wie Lazarus, der wieder auferstand, um später zu sterben. Nachdem er also gesagt hat: Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, fügt er, um zu verhindern, dass wir die Worte auf die Toten beziehen, die er um des Wunders willen auferweckt hat, und nicht auf die Auferstehung zum ewigen Leben, hinzu: Denn der Vater richtet niemand; so zeigt er, dass er von jener Auferstehung der Toten sprach, die beim Gericht stattfinden wird. (Tr. xxiii. s. 13). Oder die Worte: Wie der Vater die Toten auferweckt usw. beziehen sich auf die Auferstehung der Seele; Denn der Vater richtet niemand, sondern hat das ganze Gericht dem Sohn übergeben, auf die Auferstehung des Leibes. Denn die Auferstehung der Seele geschieht durch die Substanz des Vaters und des Sohnes, und daher ist sie das Werk des Vaters und des Sohnes gemeinsam; aber die Auferstehung des Leibes geschieht durch eine Heilsordnung der Menschheit des Sohnes, die eine zeitliche Heilsordnung ist und nicht mit dem Vater gleich ewig. (Tr. xxi. s. 12.). Doch siehe, wie das Wort Christi den Geist in verschiedene Richtungen lenkt, ihm keinen fleischlichen Ruheplatz lässt; sondern ihn durch den Wechsel der Bewegung übt, durch die Übung läutert, durch die Läuterung seine Fassungskraft erweitert und nach der Erweiterung erfüllt. Er sagte kurz zuvor, dass der Vater dem Sohn zeigt, was er alles tut. So sah ich gleichsam den Vater wirken und den Sohn warten; nun wieder sehe ich den Sohn wirken und den Vater ruhen.