
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 5
19 Da antwortete ihnen Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann von sich aus nichts tun, was er nicht den Vater tun sieht. Denn was jener tut, das tut der Sohn in gleicher Weise. 20 Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihm noch größere Werke als diese zeigen, sodass ihr euch wundern werdet.
(Tr. xx. s. 6) Doch jenes Wandeln des Fleisches auf dem Meer geschah durch den Vater im Sohn. Denn als das Fleisch wandelte und die Gottheit des Sohnes lenkte, war der Vater nicht abwesend, wie der Sohn selbst weiter unten sagt: Der Vater, der in Mir wohnt, Er tut die Werke. (c. 14) (s. 9). Er hütet sich jedoch vor der fleischlichen Auslegung der Worte: Der Sohn kann nichts von sich aus tun. (v. 19) Als ob es wie bei zwei Handwerkern wäre, Meister und Schüler, von denen der eine eine Truhe machte und der andere eine ähnliche, indem Er hinzufügt: Denn was jener tut, das tut der Sohn ebenso. Er sagt nicht: Was der Vater tut, tut der Sohn als andere ähnliche Dinge, sondern dieselben Dinge. Der Vater machte die Welt, der Sohn machte die Welt, der Heilige Geist machte die Welt. Wenn Vater, Sohn und Heiliger Geist eins sind, so folgt, dass ein und dieselbe Welt vom Vater durch den Sohn im Heiligen Geist gemacht wurde. So ist es dieselbe Sache, die der Sohn tut. Er fügt ebenfalls hinzu, um einen weiteren Irrtum zu verhindern. Denn der Körper scheint dasselbe zu tun wie die Seele, aber er tut es nicht auf gleiche Weise, insofern der Körper unterworfen ist, die Seele herrscht, der Körper sichtbar, die Seele unsichtbar ist. Wenn ein Sklave etwas auf Befehl seines Herrn tut, wird dieselbe Sache von beiden getan; aber geschieht es auf gleiche Weise? Nun gibt es zwischen Vater und Sohn diesen Unterschied nicht; sie tun dieselben Dinge und auf gleiche Weise. Vater und Sohn handeln mit derselben Macht; so dass der Sohn dem Vater gleich ist.