
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
13 Jesus antwortete ihr: Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. 14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser in das ewige Leben sprudelt. 15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher zu kommen brauche, um zu schöpfen. 16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 18 Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.
(Tr. xv. c. 19) Jesus sah, dass die Frau nicht verstand, und wünschte, sie zu erleuchten, und sagt: Ruf deinen Mann; d. h. wende deinen Verstand an. Denn wenn das Leben wohlgeordnet ist, regiert der Verstand die Seele selbst, was zur Seele gehört. Denn obwohl er nichts anderes ist als die Seele, ist er zugleich ein bestimmter Teil der Seele. Und gerade dieser Teil der Seele, der Verstand und Intellekt genannt wird, wird selbst von einem Licht erleuchtet, das über ihm steht. Ein solches Licht sprach mit der Frau; aber in ihr war kein Verstand, der erleuchtet werden konnte. Unser Herr sagt gleichsam: Ich möchte erleuchten, und da ist niemand zu erleuchten; Ruf deinen Mann, d. h. wende deinen Verstand an, durch den du belehrt und von dem du regiert werden musst. Die fünf früheren Männer können als die fünf Sinne erklärt werden, so: Ein Mensch ist, bevor er den Gebrauch der Vernunft hat, ganz der Herrschaft seiner körperlichen Sinne unterworfen. Dann tritt die Vernunft in Aktion; und von da an ist er fähig, Ideen zu hegen, und steht entweder unter dem Einfluss der Wahrheit oder des Irrtums. Die Frau stand unter dem Einfluss des Irrtums, der nicht ihr rechtmäßiger Mann war, sondern ein Ehebrecher. Daher sagt unser Herr: Verstoße den Ehebrecher, der dich verdirbt, und ruf deinen Mann, damit du Mich verstehst.