
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
1 Als Jesus erfuhr, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes -- 2 doch taufte Jesus nicht selbst, sondern seine Jünger --, 3 verließ er Judäa und begab sich wieder nach Galiläa. 4 Er musste aber durch Samarien reisen. 5 So kam er zu einer Stadt in Samarien namens Sychar in der Nähe des Grundstücks, das Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hatte. 6 Dort war der Jakobsbrunnen. Jesus, müde von der Wanderung, ließ sich am Brunnen nieder. Es war ungefähr die sechste Stunde.
(1. lxxxiii. Quæst. qu. 64) Zur sechsten Stunde also kommt unser Herr zum Brunnen. Der schwarze Abgrund des Brunnens, so meine ich, stellt die niedrigsten Teile dieses Universums dar, d. h. die Erde, zu der Jesus zur sechsten Stunde kam, das heißt im sechsten Zeitalter der Menschheit, gleichsam im Greisenalter des alten Menschen, den abzulegen wir aufgefordert sind (Kol 3,9), damit wir den neuen anziehen. Denn so rechnen wir die verschiedenen Lebensalter des Menschen: das erste Alter ist die Kindheit, das zweite die Jugend, das dritte das Knabenalter, das vierte die Jugend, das fünfte das Mannesalter, das sechste das Greisenalter. Wiederum bedeutet die sechste Stunde, die Mitte des Tages, die Zeit, in der die Sonne beginnt unterzugehen, dass wir, die wir von Christus gerufen sind, unser Vergnügen an sichtbaren Dingen zügeln sollen, damit wir durch die Liebe zu unsichtbaren Dingen den inneren Menschen erfrischen und zum inneren Licht wiederhergestellt werden, das niemals versagt. Durch sein Sitzen wird seine Demut bezeichnet, oder vielleicht sein lehramtlicher Charakter; Lehrer pflegen zu sitzen.