
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 3
27 Johannes antwortete: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. 28 Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur vor ihm her gesandt. 29 Wer die Braut hat, ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich herzlich über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist jetzt in Erfüllung gegangen. 30 Jener muss wachsen, ich aber abnehmen.
(Tr. xiii) Aber warum steht er? Weil er nicht fällt, wegen seiner Demut. Ein sicherer Grund zum Stehen ist dies: Dessen Schuhriemen ich nicht würdig bin zu lösen. Wiederum: Er steht und hört ihm zu. Wenn er also fällt, hört er ihm nicht zu. Daher muss der Freund des Bräutigams stehen und hören, d. h. in der Gnade bleiben, die er empfangen hat, und die Stimme hören, über die er sich freut. Ich freue mich nicht, sagt er, wegen meiner eigenen Stimme, sondern wegen der Stimme des Bräutigams. Ich freue mich; ich im Hören, er im Sprechen; ich bin das Ohr, er das Wort. Denn wer die Braut oder Frau seines Freundes bewacht, sorgt dafür, dass sie keinen anderen liebt; wenn er selbst anstelle seines Freundes geliebt werden wollte und die genießen wollte, die ihm anvertraut wurde, wie abscheulich erscheint er dann der ganzen Welt? Doch ich sehe viele Ehebrecher, die die Braut, die um so großen Preis erkauft wurde, für sich gewinnen möchten und durch ihre Worte darauf abzielen, selbst anstelle des Bräutigams geliebt zu werden.