
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 3
16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. 17 Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
(1. xxvi. Mor. c. xxvii. [50.]) Oder so: Im letzten Gericht gehen einige zugrunde, ohne gerichtet zu werden, von denen hier gesagt wird: Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet. Denn der Tag des Gerichts prüft nicht jene, die wegen Unglaubens bereits aus dem Blick eines einsichtigen Richters verbannt sind, unter dem Urteil der Verdammnis stehen; sondern jene, die das Bekenntnis des Glaubens bewahren, aber keine Werke aufweisen, die diesem Bekenntnis entsprechen. Denn diejenigen, die nicht einmal die Sakramente des Glaubens bewahrt haben, hören nicht einmal den Fluch des Richters beim letzten Gericht. Sie haben bereits in der Finsternis ihres Unglaubens ihr Urteil empfangen und werden nicht für würdig erachtet, durch den Tadel dessen überführt zu werden, den sie verachtet hatten. Wiederum: Denn ein irdischer Herrscher hat in der Regierung seines Staates eine andere Regel der Bestrafung im Falle des aufsässigen Untertanen und des ausländischen Rebellen. Im ersteren Falle berücksichtigt er das bürgerliche Gesetz; gegen den Feind aber schreitet er sogleich zum Krieg und vergilt dessen Bosheit mit der verdienten Strafe, ohne Rücksicht auf das Gesetz, da derjenige, der sich dem Gesetz nie unterworfen hat, keinen Anspruch darauf hat, nach dem Gesetz zu leiden.