
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 3
16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. 17 Denn Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
(Hom. xxviii. 1) Weil Er dies jedoch sagt, missbrauchen träge Menschen in der Menge ihrer Sünden und im Übermaß der Sorglosigkeit Gottes Barmherzigkeit und sagen: Es gibt keine Hölle, keine Strafe; Gott vergibt uns alle unsere Sünden. Doch lasst uns bedenken, dass es zwei Ankünfte Christi gibt; eine vergangene, die andere zukünftige. Die erstere war, nicht zu richten, sondern uns zu vergeben: die letztere wird sein, nicht zu vergeben, sondern uns zu richten. Von der ersteren sagt Er: Ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten. Weil Er barmherzig ist, gewährt Er statt des Gerichts einen inneren Nachlass aller Sünden durch die Taufe; und selbst nach der Taufe öffnet Er uns die Tür der Buße, was, hätte Er es nicht getan, alles verloren wäre; denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes. (Röm. 3,23) Danach jedoch folgt etwas über die Strafe der Ungläubigen, um uns davor zu warnen, uns zu schmeicheln, dass wir ungestraft sündigen können. Von dem Ungläubigen sagt Er: ‚er ist schon gerichtet.‘ – Doch zuerst sagt Er: Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet. Wer glaubt, sagt Er, nicht wer forscht. Doch was, wenn sein Leben unrein ist? Paulus erklärt sehr nachdrücklich, dass solche nicht glauben: Sie bekennen, sagt er, dass sie Gott kennen, aber mit den Werken verleugnen sie Ihn. (Tit. 1,16) Das heißt: Solche werden nicht wegen ihres Glaubens gerichtet werden, sondern eine schwere Strafe für ihre Werke empfangen, obwohl der Unglaube ihnen nicht angelastet wird.