
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 3
1 Es war unter den Pharisäern ein Mann mit Namen Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. 2 Er kam bei Nacht zu ihm und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du als Lehrer von Gott gekommen bist. Denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. 3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wer nicht von neuem geboren wird, kann das Reich Gottes nicht sehen.
(Hom. xxiv. 2. in Joan) Er hatte jedoch keine große Vorstellung von ihm aufgrund seiner Wunder; und schrieb ihm noch immer nur einen menschlichen Charakter zu, indem er von ihm als einem Propheten sprach, der gesandt war, einen Auftrag auszuführen, und der Unterstützung bedurfte, um sein Werk zu tun; während der Vater ihn vollkommen gezeugt hatte, selbstgenügsam und frei von jedem Mangel. Da es jedoch Christi Absicht war, für den Augenblick nicht so sehr seine Würde zu offenbaren, als vielmehr zu beweisen, dass er nichts gegen den Vater tat, ist er in Worten oft demütig, während seine Taten stets seine Macht bezeugen. Und daher sagt er zu Nikodemus bei dieser Gelegenheit nichts ausdrücklich, um sich selbst zu verherrlichen; sondern er korrigiert unmerklich dessen niedrige Ansicht von ihm und lehrt ihn, dass er selbst allgenügsam und unabhängig in seinen Wunderwerken war. Daher antwortet er: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.