
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 21
19 Das sagte er, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir! 20 Petrus wandte sich um und sah den Jünger, den Jesus liebte, nachkommen, denselben, der auch bei dem Mahl an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist der, der dich verrät? 21 Als Petrus ihn sah, fragte er Jesus: Herr, was soll mit ihm werden? 22 Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er am Leben bleibt, bis ich komme, was geht das dich an? Du aber folgst mir! 23 Daher verbreitete sich unter den Brüdern die Ansicht: Jener Jünger stirbt nicht. Jesus aber hatte nicht zu ihm gesagt: Er wird nicht sterben, sondern: Wenn ich will, dass er am Leben bleibt, bis ich komme, was geht dich das an!
(Hom. lxxxviii. 2) Wenn aber gefragt wird: Wie übernahm dann Jakobus den Sitz von Jerusalem? Ich antworte, dass unser Herr Petrus nicht als Bischof dieses Sitzes einsetzte, sondern als Lehrer der ganzen Welt: Da wandte sich Petrus um und sieht den Jünger, den Jesus liebte, nachfolgen, der auch an Seiner Brust beim Abendmahl gelehnt hatte. Es ist nicht ohne Bedeutung, dass jener Umstand des Anlehnens an Seine Brust erwähnt wird, sondern um zu zeigen, welches Vertrauen Petrus nach seiner Verleugnung hatte. Denn der, welcher beim Abendmahl nicht wagte, selbst zu fragen, sondern Johannes seine Frage stellen ließ, dem ist die Aufsicht über seine Brüder anvertraut, und während er früher eine Frage, die ihn selbst betraf, einem anderen zu stellen gab, stellt er jetzt selbst Fragen an seinen Meister über andere. Nachdem unser Herr so Großes über ihn vorhergesagt, ihm die Welt anvertraut, sein Martyrium prophezeit und seine größere Liebe kundgetan hatte, wünscht Petrus, dass Johannes an dieser Berufung teilhabe, und sagt: Und was soll dieser tun? als ob er sagen wollte: Wird er nicht denselben Weg mit uns gehen? Denn Petrus hatte große Liebe zu Johannes, wie aus den Evangelien und der Apostelgeschichte hervorgeht, die viele Beweise ihrer engen Freundschaft geben. So erweist Petrus Johannes denselben Dienst, den Johannes ihm erwiesen hatte; da er meinte, dass er über sich selbst fragen wollte, aber sich fürchtete, stellt er die Frage für ihn. Da sie jedoch nun die Sorge für die Welt übernehmen sollten und nicht ohne Schaden für ihre Aufgabe zusammenbleiben konnten, sagt unser Herr: Wenn Ich will, dass er bleibt, bis Ich komme, was geht das dich an? als ob Er sagen wollte: Kümmere dich um das Werk, das dir anvertraut ist, und tue es: wenn Ich will, dass er hier bleibt, was geht das dich an?