
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 20
10 Dann gingen die Jünger wieder nach Hause. 11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in das Grab vor 12 und sah zwei weiß gekleidete Engel dasitzen, einen am Kopfende und einen am Fußende der Stelle, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13 Sie sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Weil man meinen Herrn weggenommen hat und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 14 Nach diesen Worten wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn fortgetragen hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann werde ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da erkannte sie ihn und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu den Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und euerem Vater, meinem Gott und euerem Gott. 18 Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündigte ihnen: Ich habe den Herrn gesehen, und dies habe er ihr gesagt.
(Hom. lxxxvi. 2) Maria wünschte, mit Christus nun so vertraut zu sein, wie sie es vor seiner Passion war; sie vergaß in ihrer Freude, dass sein Leib durch die Auferstehung viel heiliger geworden war. So sagt er: Rühre mich nicht an, um sie daran zu erinnern und sie Ehrfurcht im Umgang mit ihm empfinden zu lassen. Aus diesem Grund verkehrte er auch nicht mehr mit seinen Jüngern, damit sie ihn mit größerer Ehrfurcht ansähen. Indem er wiederum sagt: Ich bin noch nicht aufgefahren, zeigt er, dass er dorthin eilt. Und der, der fortgehen und nicht mehr mit Menschen leben sollte, durfte nicht mit demselben Gefühl betrachtet werden wie zuvor: Sondern geh zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.