
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 2
5 Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! 6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge für die bei den Juden übliche Reinigung; sie fassten ungefähr hundert Liter. 7 Jesus sagt zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. 8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem Tafelmeister. Sie brachten es ihm. 9 Als aber der Tafelmeister von dem zu Wein gewordenen Wasser gekostet hatte, ohne von seiner Herkunft zu wissen -- die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es --, rief der Tafelmeister den Bräutigam herbei 10 und sagte zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie trunken sind, den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 11 Damit begann Jesus seine Zeichen in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
(Tr. ix. 5. et sq.) Wenn er nun befahl, das Wasser auszugießen, und dann den Wein aus den verborgenen Vorratskammern der Schöpfung einführte, so hätte er das Alte Testament abgelehnt. Aber indem er das Wasser in Wein verwandelte, zeigte er uns, dass das Alte Testament von ihm stammte, denn auf sein Geheiß wurden die Wasserkrüge gefüllt. Aber jene Schriften haben keine Bedeutung, wenn Christus nicht darin verstanden wird. Nun wissen wir, seit wann das Gesetz datiert, nämlich seit der Erschaffung der Welt. Von jener Zeit bis jetzt sind es sechs Zeitalter; das erste von Adam bis Noah; das zweite von Noah bis Abraham; das dritte von Abraham bis David; das vierte von David bis zur Wegführung nach Babylon; das fünfte von jener Zeit bis Johannes den Täufer; das sechste von Johannes dem Täufer bis zum Ende der Welt. Die sechs Wasserkrüge bezeichnen also diese sechs Zeitalter der Prophezeiung. Die Prophezeiungen sind erfüllt; die Wasserkrüge sind voll. Aber was bedeutet es, dass sie je zwei oder drei Fässer hielten? Hätte er nur drei gesagt, hätten unsere Gedanken sofort auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit gedeutet. Und vielleicht können wir es auch nicht ablehnen, obwohl es heißt: zwei oder drei; denn wenn der Vater und der Sohn genannt werden, kann der Heilige Geist folglich verstanden werden; insofern er die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn ist, die der Heilige Geist ist. (c. 17.). Wir sollten auch nicht eine andere Auslegung übergehen, die die zwei Fässer auf die zwei Menschenrassen, die Juden und die Griechen, bezieht; und die drei auf die drei Söhne Noahs.