
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Johannesevangelium 2
5 Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! 6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge für die bei den Juden übliche Reinigung; sie fassten ungefähr hundert Liter. 7 Jesus sagt zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. 8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem Tafelmeister. Sie brachten es ihm. 9 Als aber der Tafelmeister von dem zu Wein gewordenen Wasser gekostet hatte, ohne von seiner Herkunft zu wissen -- die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es --, rief der Tafelmeister den Bräutigam herbei 10 und sagte zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie trunken sind, den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 11 Damit begann Jesus seine Zeichen in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
(iii. de Trin. c. 5) Wasser wird in die Wasserkrüge gegossen; Wein wird in die Kelche geschöpft; die Sinne des Schöpfenden stimmen nicht mit dem Wissen des Eingießenden überein. Der Eingießende denkt, dass Wasser geschöpft wird; der Schöpfende denkt, dass Wein eingegossen wurde. Als der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher es war (die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es), rief der Speisemeister den Bräutigam. Es war keine Mischung, sondern eine Erschaffung: Die einfache Natur des Wassers verschwand, und der Geschmack des Weines entstand; nicht dass eine schwache Verdünnung durch eine starke Infusion erreicht wurde, sondern das, was war, wurde vernichtet; und das, was nicht war, entstand.