
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 17
1 Als Jesus das gesagt hatte, erhob er seine Augen zum Himmel und betete: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. 2 Denn du hast ihm Macht über alles Fleisch gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3 Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den wahren Gott, erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. 4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht, ich habe das Werk vollendet, das zu vollbringen du mir aufgetragen hast. 5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
(Tr. cv) Aber es wird mit Recht gefragt, wie der Sohn den Vater verherrlichen kann, da die ewige Herrlichkeit des Vaters niemals eine Erniedrigung in der Gestalt des Menschen erfuhr und hinsichtlich ihrer eigenen göttlichen Vollkommenheit keine Hinzufügung zuläßt. Aber unter den Menschen war diese Herrlichkeit geringer, als Gott nur in Judäa bekannt war; und daher verherrlichte der Sohn den Vater, als das Evangelium Christi die Kenntnis des Vaters unter den Heiden verbreitete. Verherrliche Deinen Sohn, damit auch Dein Sohn Dich verherrliche; d. h. Erwecke Mich von den Toten, damit durch Mich Du der ganzen Welt bekannt werdest. Dann legt Er weiter dar, auf welche Weise der Sohn den Vater verherrlicht: Wie Du Ihm Macht über alles Fleisch gegeben hast, damit Er allen, die Du Ihm gegeben hast, das ewige Leben gebe. Alles Fleisch bedeutet die ganze Menschheit, wobei der Teil für das Ganze steht. Und diese Macht, die Christus vom Vater über alles Fleisch gegeben ist, muß mit Bezug auf Seine menschliche Natur verstanden werden.