Didymus der Blinde
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen. Denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern er wird reden, was er hört, und das Kommende wird er euch verkünden. 14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden. 15 Alles, was der Vater hat, ist mein. Deshalb habe ich gesagt: Er nimmt von dem Meinigen und wird es euch verkünden.
(Didym. de Spir. Sanct. ut sup.) „Empfangen“ muss hier in einem Sinne verstanden werden, der der göttlichen Natur entspricht. Wie der Sohn beim Geben nicht dessen beraubt wird, was Er gibt, noch anderen etwas unter eigenem Verlust mitteilt, so empfängt auch der Heilige Geist nicht, was Er zuvor nicht hatte; denn wenn Er empfinge, was Er zuvor nicht hatte, würde der Geber dadurch verlieren, dass die Gabe auf einen anderen übertragen wird. Wir müssen also verstehen, dass der Heilige Geist vom Sohn empfängt, was zu Seiner Natur gehörte, und dass nicht zwei Substanzen impliziert sind, eine gebende und eine empfangende, sondern nur eine Substanz. In gleicher Weise wird auch vom Sohn gesagt, dass Er vom Vater empfängt, worin Er selbst subsistiert. Denn weder ist der Sohn etwas anderes als das, was Ihm vom Vater gegeben ist, noch ist der Heilige Geist eine andere Substanz als die, die Ihm vom Sohn gegeben ist.