Didymus der Blinde
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen. Denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern er wird reden, was er hört, und das Kommende wird er euch verkünden. 14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden. 15 Alles, was der Vater hat, ist mein. Deshalb habe ich gesagt: Er nimmt von dem Meinigen und wird es euch verkünden.
(ut supr.) Er wird nicht von Sich aus reden, d. h. nicht ohne Mich und Meinen und des Vaters Willen: weil Er nicht von Sich selbst ist, sondern vom Vater und von Mir. Dass Er existiert und dass Er redet, hat Er vom Vater und von Mir. Ich sage die Wahrheit; d. h. Ich inspiriere ebenso wie Ich durch Ihn spreche, da Er der Geist der Wahrheit ist. Sagen und sprechen in der Dreifaltigkeit darf nicht nach unserem Sprachgebrauch verstanden werden, sondern nach dem Gebrauch körperloser Naturen, und besonders der Dreifaltigkeit, die Ihren Willen in die Herzen der Gläubigen und derer einpflanzt, die würdig sind, Ihn zu hören. Denn dass der Vater spricht und der Sohn hört, ist eine Ausdrucksweise (significatio est) für die Identität ihrer Natur und ihre Übereinstimmung. Ferner kann der Heilige Geist, der der Geist der Wahrheit und der Geist der Weisheit ist, nicht vom Sohn hören, was Er nicht weiß, da Er eben das ist, was vom Sohn hervorgebracht wird, d. h. Wahrheit von Wahrheit, Tröster vom Tröster, Gott von Gott. Schließlich, damit niemand Ihn vom Willen und der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes trenne, steht geschrieben: Was Er hören wird, das wird Er reden.