
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Sondern weil ich euch das gesagt habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen. Wenn ich aber weggehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen öffnen über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. 9 Über Sünde, weil sie nicht an mich glauben; 10 über Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; 11 über Gericht, weil der Fürst der Welt gerichtet ist.
(Tr. xcv. 2) Die Welt wird überführt von der Sünde, weil sie nicht an Christus glaubt, und überführt von der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit der Glaubenden. Der Gegensatz der Glaubenden ist die Zurechtweisung der Ungläubigen. Von der Gerechtigkeit, weil Ich zum Vater gehe: wie es der gemeinsame Einwand der Ungläubigen ist: Wie können wir glauben, was wir nicht sehen? so liegt die Gerechtigkeit der Glaubenden darin: Weil Ich zum Vater gehe und ihr Mich nicht mehr sehen werdet. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Der Glaube sogar derer, die Christus sahen, wird gelobt, nicht weil sie glaubten, was sie sahen, d. h. den Menschensohn, sondern weil sie glaubten, was sie nicht sahen, d. h. den Sohn Gottes. Und als die Gestalt des Knechtes ihrem Blick gänzlich entzogen wurde, da erst erfüllte sich vollständig der Text: Der Gerechte lebt aus dem Glauben. (Hebr. 10,38) Eure Gerechtigkeit wird es dann sein, deren die Welt überführt wird, dass ihr an Mich glaubt, ohne Mich zu sehen. Und wenn ihr Mich sehen werdet, werdet ihr Mich sehen, wie Ich sein werde, nicht wie Ich jetzt bei euch bin, d. h. ihr werdet Mich nicht sterblich sehen, sondern ewig. Denn indem Er sagt: Ihr werdet Mich nicht mehr sehen (jam non videbitis me Vulg.), meint Er, dass sie Ihn nicht mehr für immer sehen werden.