
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 15
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. 13 Eine größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben für seine Freunde hingibt. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr geht und Frucht bringt und dass euere Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was immer ihr von ihm in meinem Namen erbittet.
(Hom. xxvii.) Ich habe euch gestellt, d. h. durch die Gnade gepflanzt, damit ihr durch den Willen geht (volendo nicht in Vulg.); wollen heißt im Geist gehen, und durch Werke Frucht bringen. Welche Art von Frucht sie bringen sollten, zeigt Er dann: Und dass eure Frucht bleibt: denn weltliche Mühe bringt kaum Frucht, die unser Leben überdauert; und wenn doch, kommt schließlich der Tod und raubt uns alles. Aber die Frucht unserer geistlichen Mühen bleibt sogar nach dem Tod; und beginnt gerade dann sichtbar zu werden, wenn die Ergebnisse unserer fleischlichen Mühe zu verschwinden beginnen. Lasst uns also solche Früchte bringen, die bleiben, und für die der Tod, der alles zerstört, der Anfang sein wird.