
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 15
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, entfernt er, und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie noch mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
(Tr. lxxx. 3) Und wer ist in dieser Welt so rein, dass er nicht mehr und mehr verändert werden könnte? Hier, wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst. (1 Joh 1:8) Er reinigt also die Reinen, d. h. die Fruchtbaren, damit sie, je reiner sie sind, umso fruchtbarer seien. Christus ist der Weinstock, insofern er sagt: Mein Vater ist größer als ich; aber insofern er sagt: Ich und der Vater sind eins, ist er der Weingärtner; nicht wie jene, die nur einen äußeren Dienst verrichten; denn er gibt das Wachstum im Inneren. So nennt er sich selbst sogleich den Reiniger der Reben: Jetzt seid ihr rein durch das Wort, das ich zu euch gesprochen habe. Er erfüllt also die Rolle des Weingärtners sowie des Weinstocks. Aber warum sagt er nicht: Ihr seid rein wegen der Taufe, mit der ihr gewaschen seid? Weil es das Wort im Wasser ist, das reinigt. Nimm das Wort weg, und was ist das Wasser anderes als Wasser? Füge das Wort zum Element hinzu, und du hast ein Sakrament. Woher hat das Wasser solche Kraft, dass es durch Berührung des Körpers das Herz reinigt, wenn nicht durch die Kraft des Wortes, das nicht nur gesprochen, sondern geglaubt wird? Denn im Wort selbst ist der verhallende Klang eines, die bleibende Kraft ein anderes. Dieses Wort des Glaubens ist in der Kirche Gottes so wirksam, dass durch den, der glaubt, darbringt, segnet, das Kind besprengt, es das Kind reinigt, obwohl es selbst nicht glauben kann.