
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 14
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater, und es genügt uns. 9 Jesus antwortete ihm: Schon so lange Zeit bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, rede ich nicht von mir selbst aus. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Wenn nicht, so glaubt doch um der Werke selbst willen!
(Hom. lxxiv. 1) Oder so: Philippus, weil er glaubte, den Sohn mit leiblichem Auge gesehen zu haben, wünschte, den Vater auf dieselbe Weise zu sehen; vielleicht auch, weil er sich an das erinnerte, was der Prophet gesagt hatte: Ich sah den Herrn, und deshalb sagt er: Zeige uns den Vater. (Jes. 6:1) Die Juden hatten gefragt, wer sein Vater sei; und Petrus und Thomas, wohin er gehe; und beiden wurde nicht klar geantwortet. Philippus also, damit er nicht beschwerlich erscheine, fügt nach den Worten: Zeige uns den Vater, hinzu: Und das genügt uns: d. h. wir suchen nichts weiter. Unser Herr antwortet nicht, dass er etwas Unmögliches erbeten habe, sondern dass er den Sohn von Anfang an nicht gesehen habe; denn wenn er ihn gesehen hätte, hätte er den Vater gesehen: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt? Er sagt nicht: nicht gesehen, sondern: nicht erkannt; nicht erkannt, dass der Sohn, da er das ist, was der Vater ist, in sich selbst den Vater angemessen zeigt. Dann unterscheidet er die Personen und sagt: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen; damit niemand behaupte, er sei sowohl der Vater als auch der Sohn. Die Worte zeigen auch, dass auch der Sohn nicht leiblich gesehen wurde. Wenn also jemand das Sehen hier für Erkennen nimmt, will ich nicht widersprechen, sondern den Satz so auffassen, als ob es hieße: Wer mich erkannt hat, hat den Vater erkannt. Er zeigt hier seine Wesensgleichheit mit dem Vater: Wer mein Wesen gesehen hat, hat den Vater gesehen. Daher ist es offensichtlich, dass er kein Geschöpf ist: denn alle erkennen und sehen das Geschöpf, aber nicht alle Gott; Philippus zum Beispiel, der das Wesen des Vaters sehen wollte. Wenn Christus also von anderer Wesenheit als der Vater wäre, hätte er nie gesagt: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Ein Mensch kann das Wesen des Goldes nicht im Silber sehen: eine Natur kann nicht durch eine andere offenbar gemacht werden.