
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 12
27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und ich werde ihn wieder verherrlichen. 29 Das Volk, das dabeistand und es hörte, meinte, es habe gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. 30 Jesus antwortete: Nicht meinetwegen ist diese Stimme ergangen, sondern euretwegen. 31 Jetzt ist das Gericht über diese Welt. Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen. 32 Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen. 33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.
(Tr. lii. 6) Das Gericht am Ende der Welt wird von ewigen Belohnungen und Strafen sein. Aber es gibt ein anderes Gericht, nicht der Verdammnis, sondern der Auswahl, das hier gemeint ist; die Auswahl Seiner Erlösten und ihre Befreiung aus der Macht des Teufels: Jetzt soll der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. Der Teufel wird nicht Fürst dieser Welt genannt im Sinne eines Herrn über Himmel und Erde; das sei ferne. Die Welt steht hier für die Bösen, die über die ganze Welt verstreut sind. In diesem Sinne ist der Teufel der Fürst der Welt, d. h. aller bösen Menschen, die in der Welt leben. Die Welt steht manchmal auch für die Guten, die über die Welt verstreut sind: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit Sich selbst. (2 Kor. 5:19) Diese sind es, aus deren Herzen der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden soll. Unser Herr sah voraus, dass nach Seinem Leiden und Seiner Verherrlichung große Völker in der ganzen Welt bekehrt würden, in denen der Teufel damals war, aber aus deren Herzen er, wenn sie ihm wahrhaft entsagten, hinausgeworfen würde. Aber wurde er nicht aus den Herzen der Gerechten der Vorzeit hinausgeworfen? Warum heißt es: Jetzt soll er hinausgeworfen werden? Weil das, was einst an sehr wenigen Personen geschah, nun an ganzen Völkern geschehen sollte. Was also, versucht der Teufel nicht überhaupt die Gemüter der Gläubigen? Ja, er hört nie auf, sie zu versuchen. Aber es ist eines, im Inneren zu herrschen, ein anderes, von außen zu belagern.