
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 12
1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. 2 Dort bereiteten sie ihm ein Gastmahl und Marta sorgte für die Bewirtung. Auch Lazarus gehörte zu denen, die mit ihm zu Tisch lagen. 3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Salböl erfüllt. 4 Judas Iskariot aber, einer von seinen Jüngern, derselbe, der ihn verraten sollte, sagte: 5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? 6 Das sagte er aber nicht, weil ihm etwas an den Armen lag, sondern weil er ein Dieb war und als Verwalter der Kasse die Einlagen unterschlug. 7 Da sagte Jesus: Lass sie gewähren! Sie hat es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt. 8 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber nicht. 9 Als viele Juden erfahren hatten, dass er sich dort aufhielt, so kamen sie, nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. 10 Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, 11 weil viele Juden um seinetwillen hingingen und an Jesus glaubten.
(Hom. lxvi. 1) Kein anderes Wunder Christi erregte solchen Zorn wie dieses. Es war so öffentlich und so wunderbar, einen Menschen gehen und sprechen zu sehen, nachdem er vier Tage tot gewesen war. Und die Tatsache war so unbestreitbar. Bei einigen anderen Wundern hatten sie Ihn beschuldigt, den Sabbat zu brechen, und so die Gedanken der Menschen abgelenkt: aber hier gab es nichts zu tadeln, und deshalb entladen sie ihren Zorn über Lazarus. Sie hätten dasselbe mit dem Blinden getan, wenn sie nicht die Anklage des Sabbatbruchs gehabt hätten. Dann wieder war der Letztere ein armer Mann, und sie warfen ihn aus dem Tempel; aber Lazarus war ein Mann von Rang, wie aus der Zahl derer klar ist, die kamen, um seine Schwestern zu trösten. Es ärgerte sie, alle das Fest, das nun bevorstand, verlassen und nach Bethanien gehen zu sehen.