
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
41 Da nahmen sie den Stein weg, Jesus aber erhob seine Augen und betete: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich wusste, dass du mich allezeit erhörst. Aber ich habe es wegen der dabeistehenden Menge gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Da kam der Tote heraus, Füße und Hände mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Macht ihn frei und lasst ihn gehen! 45 Viele Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan, glaubten an ihn. 46 Einige aber von ihnen gingen zu den Pharisäern und erzählten ihnen, was er getan hatte.
(lib. lxxxiii. Quæst. q. 65) Dass Lazarus aus dem Grab herauskam, bezeichnet die Befreiung der Seele von fleischlichen Sünden. Dass er in Grabtücher gebunden herauskam, bedeutet, dass auch wir, die wir von fleischlichen Dingen befreit sind und mit dem Geist dem Gesetz Gottes dienen, doch, solange wir im Leib sind, nicht frei von den Anfechtungen des Fleisches sein können. Dass sein Gesicht mit einem Schweißtuch umbunden war, bedeutet, dass wir in diesem Leben nicht zur vollen Erkenntnis gelangen. Und wenn unser Herr sagt: Bindet ihn los und lasst ihn gehen, lernen wir, dass in einer anderen Welt alle Schleier entfernt werden und wir von Angesicht zu Angesicht sehen werden.