Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie die zugleich mit ihr gekommenen Juden weinten, geriet er in zornige Erregung 34 und sagte: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh. 35 Da weinte Jesus. 36 Da sagten die Juden: Seht, wie lieb er ihn hatte! 37 Einige aber sagten: Konnte er, der die Augen des Blinden geöffnet hat, nicht auch verhindern, dass dieser starb? 38 Jesus geriet erneut in Zorn und ging zum Grab. Es war eine Höhle und ein Stein lag davor. 39 Jesus sagte: Hebt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht schon; er ist schon vier Tage tot. 40 Jesus erwiderte ihr: Habe ich dir nicht gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du glaubst? 41 Da nahmen sie den Stein weg, Jesus aber erhob seine Augen und betete: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
Um seine menschliche Natur zu erweisen, gibt er ihr manchmal freien Lauf, während er sie zu anderen Zeiten befiehlt und durch die Kraft des Heiligen Geistes zurückhält. Unser Herr lässt seine Natur auf diese Weisen affiziert werden, sowohl um zu beweisen, dass er wahrer Mensch ist, nicht nur dem Anschein nach Mensch; als auch um uns durch sein eigenes Beispiel das rechte Maß von Freude und Trauer zu lehren. Denn das gänzliche Fehlen von Mitgefühl und Trauer ist brutal, deren Übermaß ist weibisch.