
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
14 Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, 15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; ich gebe mein Leben hin für die Schafe. 16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich führen, sie werden auf meine Stimme hören und es wird eine Herde geben und einen Hirten. 17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. 18 Niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Vollmacht, es hinzugeben, und ich habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. 19 Wegen dieser Rede entstand erneut Zwiespalt unter den Juden. 20 Viele von ihnen sagten: Er ist von einem Dämon besessen und ist wahnsinnig. Was hört ihr ihn an? 21 Andere sagten: Das sind nicht Worte eines Besessenen. Kann etwa ein Dämon Blinden die Augen öffnen?
(Hom. lx. 2) Da sie oft danach getrachtet hatten, ihn zu töten, sagt er ihnen, ihre Bemühungen würden nutzlos sein, es sei denn, er sei willig. Ich habe solche Macht über mein eigenes Leben, dass niemand es mir gegen meinen Willen nehmen kann. Dies gilt nicht für Menschen. Wir haben nicht die Macht, unser eigenes Leben niederzulegen, es sei denn, wir töten uns selbst. Unser Herr allein hat diese Macht. Und da dies wahr ist, ist es auch wahr, dass er es wieder nehmen kann, wann er will: Und ich habe die Macht, es wieder zu nehmen: welche Worte ohne Zweifel eine Auferstehung verkünden. Damit sie nicht dächten, sein Tod sei ein Zeichen dafür, dass Gott ihn verlassen habe, fügt er hinzu: Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen; d. h. mein Leben niederzulegen und es wieder zu nehmen. Darunter dürfen wir nicht verstehen, dass er zuerst dieses Gebot abwartete und sein Werk lernen musste; er zeigt nur, dass jenes Werk, das er freiwillig unternahm, nicht gegen den Willen des Vaters war.