
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
47 Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Wirklich, ein Israelit, in dem nichts Falsches ist. 48 Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. 49 Natanaël sagte zu ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel. 50 Jesus antwortete ihm: Weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als das wirst du sehen. 51 Und er sagte zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes über dem Menschensohn auf- und niedersteigen sehen.
(Tr. vii. c. 21) Hat dieser Feigenbaum eine Bedeutung? Wir lesen von einem Feigenbaum, der verflucht wurde, weil er nur Blätter und keine Frucht hatte. Auch bei der Schöpfung machten sich Adam und Eva nach der Sünde Schürzen aus Feigenblättern. Feigenblätter bedeuten also Sünden; und Nathanael, als er unter dem Feigenbaum war, war unter dem Schatten des Todes: so dass unser Herr zu sagen scheint: O Israel, wer von euch ohne Falsch ist, o Volk des jüdischen Glaubens, bevor Ich dich durch Meine Apostel rief, als du noch unter dem Schatten des Todes warst und Mich nicht sahst, sah Ich dich.