
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus wandte sich um, und als er sie nachkommen sah, fragte er sie: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi -- das heißt übersetzt: Meister --, wo wohnst du? 39 Er antwortete ihnen: Kommt und seht! Sie gingen also mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war ungefähr die zehnte Stunde. 40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.
(Hom. xviii. [al. xvii.] 3) Christus beschreibt nicht sein Haus und seine Lage, sondern führt sie hinter sich her und zeigt damit, dass er sie bereits als die Seinen angenommen hatte. Er sagt nicht: Es ist jetzt nicht die Zeit, morgen sollt ihr hören, wenn ihr lernen wollt; sondern er redet sie vertraut an wie Freunde, die schon lange mit ihm gelebt hatten. Doch wie kommt es, dass er an einer anderen Stelle sagt: Der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege? (Mt 8,20) wenn er hier sagt: Kommt und seht, wo ich wohne? Dass er nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, konnte nur bedeuten, dass er keine eigene Wohnung hatte, nicht dass er überhaupt nicht in einem Hause wohnte; denn die nächsten Worte lauten: Sie kamen und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm. Warum sie blieben, sagt der Evangelist nicht: es geschah offensichtlich um seiner Lehre willen.