
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus wandte sich um, und als er sie nachkommen sah, fragte er sie: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi -- das heißt übersetzt: Meister --, wo wohnst du? 39 Er antwortete ihnen: Kommt und seht! Sie gingen also mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war ungefähr die zehnte Stunde. 40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.
(Hom. xviii. 1 et sq.) Beachte: als er sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, und: Dessen Schuhriemen ich nicht würdig bin zu lösen, gewann er niemanden; als er aber die Ökonomie erwähnte und seiner Rede eine demütigere Wendung gab, indem er sprach: Siehe, das Lamm Gottes, da folgten seine Jünger Christus. Denn viele werden weniger durch die Gedanken an Gottes Größe und Majestät beeinflusst als dadurch, dass sie hören, er sei der Helfer und Freund des Menschen; oder irgendetwas, das die Rettung der Menschen betrifft. Beachte auch: als Johannes sagt: Siehe, das Lamm Gottes, sagt Christus nichts. Der Bräutigam steht schweigend dabei; andere führen ihn ein und übergeben ihm die Braut; er empfängt sie und behandelt sie so, dass sie sich derer nicht mehr erinnert, die sie ihm angetraut haben. So kam Christus, um die Kirche mit sich zu vereinen; er selbst sagte nichts; aber Johannes, der Freund des Bräutigams, trat hervor und legte die rechte Hand der Braut in die seine; d. h. durch seine Predigt übergab er ihm die Seelen der Menschen, die er empfangend so behandelte, dass sie nicht mehr zu Johannes zurückkehrten. Und beachte ferner: Wie bei einer Hochzeit die Jungfrau nicht dem Bräutigam entgegengeht (auch wenn es ein Königssohn ist, der eine demütige Magd heiratet), sondern er zu ihr eilt; so ist es hier. Denn die menschliche Natur stieg nicht in den Himmel auf, sondern der Sohn Gottes kam zur menschlichen Natur herab und nahm sie mit in das Haus seines Vaters. Ferner: Es gab Jünger des Johannes, die nicht nur Christus nicht folgten, sondern sogar neidisch auf ihn waren; aber der bessere Teil hörte und folgte; nicht aus Verachtung ihres früheren Meisters, sondern durch seine Überredung; denn er hatte ihnen versprochen, dass Christus mit dem Heiligen Geist taufen würde. Und siehe, mit welcher Bescheidenheit ihr Eifer einherging. Sie gingen nicht sogleich hin und befragten Jesus über große und notwendige Lehren, noch öffentlich, sondern suchten private Unterredung mit ihm; denn es wird uns gesagt, dass Jesus sich umwandte und sie folgen sah und zu ihnen sprach: Was sucht ihr? Daraus lernen wir, dass Gott uns, sobald wir beginnen, gute Vorsätze zu fassen, genügend Gelegenheiten zur Besserung gibt. Christus stellt die Frage nicht, weil er es hätte gesagt bekommen müssen, sondern um Vertrautheit und Zuversicht zu fördern und zu zeigen, dass er sie seiner Unterweisungen für würdig hielt.