
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
32 Und Johannes bezeugte: Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabsteigen und er blieb auf ihm. 33 Auch ich kannte ihn nicht. Aber er, der mich gesandt hat, um mit Wasser zu taufen, hat zu mir gesagt: Auf wen du den Geist herabsteigen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit Heiligem Geist tauft. 34 Ich habe es gesehen und bezeuge, dass er der Sohn Gottes ist.
(Moral. liv. [90.]) Er sagt: Er blieb auf ihm: denn der Heilige Geist besucht alle Gläubigen; aber auf dem Mittler allein bleibt er für immer in besonderer Weise; er verlässt nie die Menschheit des Sohnes, so wie er selbst aus der Gottheit des Sohnes hervorgeht. Aber wenn den Jüngern von demselben Geist gesagt wird (Joh 14,17): Er wird bei euch bleiben, wie ist dann das Bleiben des Geistes ein besonderes Zeichen Christi? Dies wird deutlich, wenn wir zwischen den verschiedenen Gaben des Geistes unterscheiden. Was jene Gaben betrifft, die zum Erlangen des Lebens notwendig sind, so bleibt der Heilige Geist immer in allen Auserwählten; solche sind Sanftmut, Demut, Glaube, Hoffnung, Liebe: aber hinsichtlich jener, die nicht unsere eigene Seligkeit, sondern die der anderen zum Ziel haben, bleibt er nicht immer, sondern zieht sich manchmal zurück und hört auf, sie zu zeigen; damit die Menschen demütiger im Besitz seiner Gaben seien. Aber Christus hatte alle Gaben des Geistes, ununterbrochen immer.