
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, / Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben worden, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus gekommen.
(in Joan. Tr. iii. c. 8. et seq.) Aber was habt ihr empfangen? Gnade um Gnade. So dass wir verstehen müssen, dass wir etwas Bestimmtes von seiner Fülle empfangen haben und darüber hinaus Gnade um Gnade; dass wir zuerst von seiner Fülle empfangen haben, die erste Gnade; und wiederum haben wir Gnade um Gnade empfangen. Welche Gnade haben wir zuerst empfangen? Den Glauben: der Gnade genannt wird, weil er frei gegeben wird3. Dies ist also die erste Gnade, die der Sünder empfängt, die Vergebung seiner Sünden. Wiederum haben wir Gnade um Gnade; d. h. anstelle jener Gnade, in der wir durch den Glauben leben, sollen wir eine andere empfangen, nämlich das ewige Leben: denn das ewige Leben ist gleichsam der Lohn des Glaubens. Und so wie der Glaube selbst eine gute Gnade ist, so ist das ewige Leben Gnade um Gnade. Es gab keine Gnade im Alten Testament; denn das Gesetz drohte, aber half nicht, befahl, aber heilte nicht, zeigte unsere Schwäche, aber befreite nicht davon. Es bereitete jedoch den Weg für einen Arzt, der mit den Gaben der Gnade und Wahrheit kommen sollte: daher der folgende Satz: Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben, aber die Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden. Der Tod deines Herrn hat den Tod zerstört, sowohl den zeitlichen als auch den ewigen; das ist die Gnade, die im Gesetz verheißen, aber nicht enthalten war.