
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
14 Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohntund wir haben seine Herrlichkeit geschaut, / eine Herrlichkeit, wie sie der einzige Sohn vom Vater hat, / voll Gnade und Wahrheit.
(x. de Trin. c. 21, 22) Einige aber, die meinen, Gott der Eingeborene, Gott das Wort, der im Anfang bei Gott war, sei nicht wesentlich Gott, sondern ein ausgesandtes Wort, und der Sohn verhalte sich zu Gott dem Vater wie ein Wort zu dem, der es ausspricht – diese Leute argumentieren, um zu widerlegen, dass das Wort, wesentlich Gott und in der Gestalt Gottes bleibend, als der Mensch Christus geboren wurde, spitzfindig: da jener Mensch (sagen sie) sein Leben eher von menschlichem Ursprung als vom Geheimnis einer geistlichen Empfängnis ableite, habe Gott das Wort sich nicht aus dem Schoß der Jungfrau zum Menschen gemacht; sondern das Wort Gottes sei in Jesus gewesen wie der Geist der Weissagung in den Propheten. Und sie pflegen uns zu beschuldigen, wir hielten dafür, dass Christus als Mensch geboren wurde, nicht aus unserem Leib und unserer Seele; während wir doch predigen, dass das Wort Fleisch geworden und nach unserem Gleichnis als Mensch geboren wurde, so dass der, der wahrhaft Sohn Gottes ist, wahrhaft als Sohn des Menschen geboren wurde; und dass er, wie er aus eigenem Antrieb einen Leib von der Jungfrau annahm, so auch aus sich selbst eine Seele annahm, die in keinem Fall vom Menschen durch bloß elterlichen Ursprung stammt. Und da er, derselbe, der Sohn des Menschen ist, wie absurd wäre es, neben dem Sohn Gottes, der das Wort ist, ihn noch als eine andere Person zu machen, eine Art Propheten, vom Wort Gottes inspiriert; während doch unser Herr Jesus Christus sowohl der Sohn Gottes als auch der Sohn des Menschen ist.