
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
11 Er kam in sein Eigentum, / und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind.
(Hom. x. [ix.] 2) Er kam also zu den Seinen, nicht zu Seinem eigenen Nutzen, sondern zum Nutzen anderer. Aber woher kam Er, der alles erfüllt und überall gegenwärtig ist? Er kam aus Herablassung zu uns, obwohl Er in Wirklichkeit die ganze Zeit in der Welt gewesen war. Aber die Welt sah Ihn nicht, weil sie Ihn nicht erkannte; Er geruhte, Fleisch anzunehmen. Und diese Offenbarung und Herablassung wird Sein Kommen genannt. Aber der barmherzige Gott richtet Seine Heilsordnungen so ein, dass wir im Verhältnis zu unserer Güte erstrahlen, und daher will Er nicht zwingen, sondern lädt die Menschen durch Überzeugung und Güte ein, aus eigenem Antrieb zu kommen: und so, als Er kam, empfingen Ihn einige, andere empfingen Ihn nicht. Er begehrt keinen unwilligen und erzwungenen Dienst; denn niemand, der unwillig kommt, weiht sich Ihm ganz. Daher was folgt: Und die Seinen empfingen Ihn nicht. (Hom. ix. [viii.] 1). Er nennt hier die Juden die Seinen, da sie Sein besonderes Volk sind; wie ja auch alle Menschen in gewissem Sinne die Seinen sind, da sie von Ihm gemacht sind. Und wie oben, zur Schande unserer gemeinsamen Natur, sagte er, dass die Welt, die durch Ihn gemacht wurde, ihren Schöpfer nicht erkannte: so erhebt er hier wiederum, empört über die Undankbarkeit der Juden, eine schwerere Anklage, nämlich dass die Seinen Ihn nicht empfingen.