Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, / und die Finsternis hat es nicht ergriffen.
(tom. ii. c. 20) Wie das Licht der Menschen ein Wort ist, das zwei geistige Dinge ausdrückt, so ist auch die Finsternis. Einem, der das Licht besitzt, schreiben wir sowohl das Tun der Werke des Lichts zu als auch wahres Verständnis, insofern er durch das Licht der Erkenntnis erleuchtet wird; und andererseits wenden wir den Begriff Finsternis sowohl auf unerlaubte Handlungen an als auch auf jene Erkenntnis, die so scheint, aber nicht so ist. Nun ist, wie der Vater Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist, so auch der Heiland. Doch insofern er die Ähnlichkeit unseres sündigen Fleisches annahm, wird von ihm nicht unrichtig gesagt, dass in ihm einige Finsternis war; denn er nahm unsere Finsternis auf sich, um sie zu zerstreuen. Dieses Licht also, das zum Leben des Menschen gemacht wurde, leuchtet in der Finsternis unserer Herzen, wenn der Fürst dieser Finsternis gegen das Menschengeschlecht Krieg führt. Dieses Licht verfolgte die Finsternis, wie aus dem klar wird, was unser Heiland und seine Kinder leiden; die Finsternis kämpft gegen die Kinder des Lichts. Aber da Gott die Sache aufnimmt, siegen sie nicht; noch ergreifen sie das Licht, denn sie sind entweder zu langsam, um dem schnellen Lauf des Lichts zu folgen, oder sie warten darauf, dass es zu ihnen kommt, und werden bei seiner Annäherung in die Flucht geschlagen. Wir sollten jedoch bedenken, dass Finsternis nicht immer im schlechten Sinne verwendet wird, sondern manchmal im guten, wie in Psalm 17: „Er machte Finsternis zu seinem Versteck“ (Ps 18,11); die Dinge Gottes sind unbekannt und unbegreiflich. Diese Finsternis also will ich lobenswert nennen, da sie zum Licht tendiert und es ergreift; denn obwohl sie zuvor Finsternis war, solange sie nicht erkannt wurde, wird sie doch in dem, der gelernt hat, zu Licht und Erkenntnis.