
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
1 Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und Gott war das Wort.
(Tract. super Joan. i. c. 8) Wörter sind durch ihren täglichen Gebrauch, ihren Klang und ihr Hervorgehen aus uns zu alltäglichen Dingen geworden. Es gibt aber ein Wort, das innerlich bleibt, im Menschen selbst; verschieden von dem Klang, der aus dem Mund hervorgeht. Es gibt ein Wort, das wahrhaft und geistig das ist, was du unter dem Klang verstehst, ohne der tatsächliche Klang zu sein. (de Trin. l. xv. c. 19. [x.]). Wer nun den Begriff des Wortes erfassen kann, wie es nicht nur vor seinem Klang existiert, sondern sogar bevor die Vorstellung seines Klanges gebildet wird, der mag dunkel und gleichsam wie in einem Spiegel eine gewisse Ähnlichkeit jenes Wortes sehen, von dem gesagt wird: Im Anfang war das Wort. Denn wenn wir etwas ausdrücken, das wir wissen, ist das verwendete Wort notwendigerweise von dem so im Gedächtnis bewahrten Wissen abgeleitet und muss von derselben Beschaffenheit sein wie dieses Wissen. Denn ein Wort ist ein Gedanke, der aus einer Sache gebildet wird, die wir wissen; dieses Wort wird im Herzen gesprochen, ist weder griechisch noch lateinisch noch von irgendeiner Sprache, obwohl, wenn wir es anderen mitteilen wollen, ein Zeichen angenommen wird, um es auszudrücken.… (Ibid. cap. 20. [xi.]). Daher ist das Wort, das äußerlich erklingt, ein Zeichen des Wortes, das innerlich verborgen liegt, dem der Name Wort wahrhaftiger zukommt. Denn das, was durch den Mund unseres Fleisches geäußert wird, ist die Stimme des Wortes; und es wird tatsächlich Wort genannt mit Bezug auf das, woraus es genommen wird, wenn es äußerlich entfaltet wird.