
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 9
27 Als Jesus weiterging, folgten ihm zwei Blinde und schrien: Erbarme dich unser, Sohn Davids! 28 Als er das Haus betrat, kamen die Blinden zu ihm. Jesus fragte sie: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie antworteten ihm: Ja, Herr. 29 Da berührte er ihre Augen und sagte: Euch geschehe nach euerem Glauben. 30 Da öffneten sich ihre Augen. Jesus aber schärfte ihnen aufs Strengste ein: Nehmt euch in Acht, niemand darf es erfahren. 31 Sie aber gingen hinaus und erzählten von ihm in der ganzen Gegend.
(Mor. xix. 23.) Wir müssen untersuchen, wie es kommt, dass der Allmächtige, dessen Wille und Macht gleich weit reichen, hier gewollt haben soll, dass Seine vortrefflichen Werke im Schweigen verborgen bleiben, und sie dennoch gegen Seinen Willen gleichsam von diesen Männern, die ihr Augenlicht empfangen haben, verkündet werden. Es ist nur so, dass Er hierin Seinen Dienern, die Ihm nachfolgen, ein Beispiel hinterlassen hat, dass sie wünschen sollen, dass ihre eigenen guten Werke verborgen bleiben, und dass sie dennoch gegen ihren Willen bekannt gemacht werden, damit andere aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen. Sie sollen also absichtlich verborgen und gezwungenermaßen veröffentlicht werden; ihre Verbergung geschieht durch unsere eigene Wachsamkeit, ihr Verrat dient dem Nutzen anderer.