
Rabanus Maurus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 9
9 Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir! Da stand er auf und folgte ihm nach. 10 Als er in seinem Haus zu Tisch lag, kamen viele Zöllner und Sünder und legten sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch. 11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit Zöllnern und Sündern? 12 Er aber hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 13 Geht und lernt verstehen, was das heißt: Erbarmen will ich und nicht Opfer. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder.
Im Ruf des Matthäus und der Zöllner ist der Glaube der Heiden vorgebildet, die zuerst nach dem Gewinn der Welt gierten und nun vom Herrn geistlich erquickt werden; im Stolz der Pharisäer die Eifersucht der Juden auf das Heil der Heiden. Oder Matthäus bezeichnet den Mann, der auf zeitlichen Gewinn bedacht ist; Jesus sieht ihn, wenn er ihn mit den Augen der Barmherzigkeit ansieht. Denn Matthäus wird gedeutet als ‚gegeben‘, Levi als ‚genommen‘, der Büßer wird aus der Masse der Verlorenen genommen und durch Gottes Gnade der Kirche gegeben. Und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach, sei es durch Predigt, sei es durch die Ermahnung der Schrift, sei es durch innere Erleuchtung.