
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
28 Als Jesus diese Worte beendet hatte, waren die Volksscharen ganz betroffen von seiner Lehre. 29 Denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
(Serm. in Mont. ii. 25. i. 10, et seq.) Dies ist es, was im elften Psalm bezeichnet wird: Ich will mächtig mit ihm verfahren; die Worte des Herrn sind reine Worte, Silber im Feuer geläutert, von Erde gereinigt, siebenmal geläutert. (Ps. 12,5.6.) Die Erwähnung dieser Zahl mahnt mich hier, alle diese Vorschriften auf jene sieben Sätze zu beziehen, die Er am Anfang dieser Predigt aufstellte; ich meine jene über die Seligpreisungen. Denn wer ohne Grund seinem Bruder zürnt oder zu ihm sagt: Racha, oder ihn einen Toren nennt, begeht eine Sünde des äußersten Hochmuts, gegen die es ein Heilmittel gibt, dass er mit demütigem Geist Vergebung suche und nicht von einem Geist der Prahlerei aufgeblasen werde. Selig also sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Er stimmt seinem Widersacher zu, das heißt, er erweist dem Wort Gottes Ehrfurcht, der hingeht, um den Willen seines Vaters zu erfüllen, nicht mit Streitsucht des Gesetzes, sondern mit Sanftmut der Religion, daher: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen. Auch wer fühlt, dass fleischliche Lust sich gegen seinen rechten Willen auflehnt, wird ausrufen: Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes? (Röm. 7,24.) Und so wird er in Trauer die Hilfe des Trösters erflehen; daher: Selig sind, die da trauern, denn sie werden getröstet werden. Was kann man sich Mühseligeres vorstellen, als in der Überwindung einer bösen Gewohnheit jene Glieder in uns abzuschneiden, die das Himmelreich hindern, und nicht durch den Schmerz dessen zerbrochen zu werden? In treuer Ehe alles, auch das Schwerste, zu ertragen und dennoch jede Anklage der Unzucht zu vermeiden. Die Wahrheit zu sagen und sie nicht durch häufige Eide zu bekräftigen, sondern durch Rechtschaffenheit des Lebens. Aber wer würde es wagen, solche Mühen zu ertragen, wenn er nicht von der Liebe zur Gerechtigkeit wie von Hunger und Durst brannte? Selig also sind, die da hungert und dürstet, denn sie werden gesättigt werden. Wer kann bereit sein, Unrecht von den Schwachen zu erdulden, sich jedem hinzugeben, der ihn bittet, seine Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die ihn hassen, für die zu beten, die ihn verfolgen, außer dem, der vollkommen barmherzig ist? Daher: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden. Er bewahrt das Auge seines Herzens rein, der das Ziel seiner guten Handlungen nicht darin setzt, Menschen zu gefallen, noch darin, jene Dinge zu erlangen, die für dieses Leben notwendig sind, und der nicht vorschnell das Herz irgendeines Menschen verurteilt, und was er einem anderen gibt, mit jener Absicht gibt, mit der er möchte, dass andere ihm geben. Selig also sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Es muss überdies durch ein reines Herz der enge Weg der Weisheit gefunden werden, dem die Arglist verdorbener Menschen im Wege steht; Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Aber ob wir diese Anordnung nehmen oder eine andere, jene Dinge, die wir vom Herrn gehört haben, müssen getan werden, wenn wir auf den Felsen bauen wollen.