
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das sollt auch ihr ihnen tun! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten.
(Serm. in Mont. ii. 22.) Einige lateinische Abschriften fügen hier hinzu: gute Dinge, was, wie ich vermute, eingefügt wurde, um den Sinn klarer zu machen. Denn es könnte vorkommen, dass jemand wünscht, dass ein Verbrechen zu seinem Vorteil begangen wird, und diese Stelle so auslegt, dass er zuerst das Gleiche dem tun sollte, von dem er wollte, dass es ihm getan wird. Es wäre absurd zu denken, dass dieser Mensch dieses Gebot erfüllt hätte. Doch der Gedanke ist vollkommen, auch wenn dies nicht hinzugefügt wird. Denn die Worte: Alles, was ihr wollt, sind nicht in ihrer gewöhnlichen und lockeren Bedeutung zu nehmen, sondern in ihrem genauen und eigentlichen Sinn. Denn es gibt keinen Willen außer im Guten; (aber vid. Retract. i. 9. n. 4.) im Bösen wird es eher Begierde genannt und nicht Wille. Nicht dass die Schriften immer diese Eigentümlichkeit beachten; aber wo es nötig ist, behalten sie dort das eigentliche Wort, so dass kein anderes verstanden werden muss.