
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft euere Perlen nicht vor die Schweine. Sonst zertreten sie sie mit ihren Füßen und machen dann kehrt und zerreißen euch.
(ubi sup.) Wir müssen uns also hüten, jemandem etwas zu erklären, der es nicht annimmt; denn die Menschen suchen eher das Verborgene als das Offenbarte. Entweder greift er aus Wildheit an wie ein Hund, oder er übersieht aus Dummheit wie ein Schwein. Daraus folgt aber nicht, dass, wenn die Wahrheit verborgen gehalten wird, eine Lüge ausgesprochen wird. Der Herr selbst, der nie etwas Falsches sagte, verbarg doch manchmal die Wahrheit, wie in jenem Wort: Ich habe euch noch vieles zu sagen, das ihr jetzt nicht ertragen könnt. (Joh 16,12.) Wenn aber jemand diese Dinge wegen seiner Unreinheit nicht aufnehmen kann, müssen wir ihn zuerst reinigen, soweit es in unserer Macht steht, sei es durch Wort oder Tat. Wenn aber der Herr einiges gesagt hat, was viele, die es hörten, nicht annahmen, sondern entweder verwarfen oder verachteten, so dürfen wir nicht denken, dass Er darin das Heilige den Hunden gab oder Seine Perlen vor die Schweine warf. Er gab es denen, die es aufnehmen konnten und die in der Gemeinschaft waren, die man nicht wegen der Unreinheit der übrigen vernachlässigen durfte. Und obwohl die, die Ihn versuchten, an jenen Antworten, die Er ihnen gab, zugrunde gehen mochten, so hörten doch die, die sie aufnehmen konnten, bei Gelegenheit dieser Fragen viel Nützliches. Wer also weiß, was geantwortet werden muss, der soll antworten, wenigstens um derer willen, die in Verzweiflung fallen könnten, wenn sie meinten, die gestellte Frage sei eine, die nicht beantwortet werden könne. Dies aber nur bei solchen Dingen, die zur Unterweisung des Heils gehören; von Überflüssigem oder Schädlichem darf nichts gesagt werden; dann aber soll erklärt werden, aus welchem Grund wir in solchen Punkten dem Fragenden nicht antworten dürfen.