
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 4
18 Als er am See von Galiläa entlang wanderte, sah er zwei Brüder: Simon, der Petrus genannt wird, und seinen Bruder Andreas. Sie warfen ein Netz in den See, denn sie waren Fischer. 19 Da sagte er zu ihnen: Kommt, folgt mir nach. Ich will euch zu Menschenfischern machen. 20 Sofort verließen sie ihre Netze und folgten ihm. 21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und besserten ihre Netze aus. Er rief sie 22 und sofort verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm.
(Ev. ii. 17.) Es könnte die Frage aufwerfen, warum Johannes berichtet, dass nahe dem Jordan, nicht in Galiläa, Andreas dem Herrn mit einem anderen folgte, dessen Namen er nicht nennt; und wiederum, dass Petrus jenen Namen vom Herrn empfing. Während die anderen drei Evangelisten schreiben, dass sie von ihrem Fischfang berufen wurden, stimmen sie doch hinreichend miteinander überein, besonders Matthäus und Markus; Lukas nennt Andreas nicht, von dem man jedoch versteht, dass er im selben Schiff mit ihm war. Es gibt eine weitere scheinbare Unstimmigkeit, dass bei Lukas nur zu Petrus gesagt wird: Von nun an wirst du Menschen fangen; Matthäus und Markus schreiben, dass es zu beiden gesagt wurde. Was die unterschiedliche Darstellung bei Johannes betrifft, so sollte sorgfältig bedacht werden, und es wird sich zeigen, dass es eine andere Zeit, ein anderer Ort und eine andere Berufung ist, von der dort die Rede ist. Denn Petrus und Andreas hatten Jesus am Jordan nicht so gesehen, dass sie von da an untrennbar anhingen, sondern nur so, dass sie wussten, wer Er war, und sich über Ihn wunderten und ihres Weges gingen. Vielleicht kehrt er zu etwas zurück, das er ausgelassen hatte, denn er fährt fort, ohne einen Zeitunterschied zu kennzeichnen: Als er am See von Galiläa wandelte. Es könnte weiter gefragt werden, wie Matthäus und Markus berichten, dass Er sie getrennt, zwei und zwei, berief, während Lukas erzählt, dass Jakobus und Johannes, die Partner des Petrus waren, gleichsam zu seiner Unterstützung berufen wurden und ihre Boote ans Land brachten und Christus folgten. Wir können also verstehen, dass die Erzählung des Lukas sich auf eine frühere Zeit bezieht, nach der sie wie gewöhnlich zum Fischfang zurückkehrten. Denn es war nicht zu Petrus gesagt worden, dass er keine Fische mehr fangen solle, da er dies ja nach der Auferstehung wieder tat, sondern dass er Menschen fangen solle. Wiederum geschah zu einer Zeit danach jene Berufung, von der Matthäus und Markus sprechen; denn sie ziehen ihre Schiffe ans Land, um Ihm zu folgen, nicht in der Absicht, wieder zurückzukehren, sondern nur bestrebt, Ihm zu folgen, wenn Er es befiehlt.