
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 28
8 Da eilten sie weg vom Grab, voll Furcht und großer Freude, und liefen zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. 9 Da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen zu ihm, umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen; dort werden sie mich sehen.
(de Cons. Ev. iii. ult.) Dass der Herr sowohl durch seinen eigenen Mund als auch durch den Engel sie anweist, Ihn nicht an jenem Ort zu suchen, an dem Er sich zuerst zeigen sollte, sondern in Galiläa, macht jeden Gläubigen begierig zu verstehen, in welchem Geheimnis dies gesprochen ist. Galiläa wird als ‚Wanderung‘ oder ‚Offenbarung‘ gedeutet. Und nach der ersten Deutung, welche Bedeutung bietet sich an, außer dieser, dass die Gnade Christi vom Volk Israel zu den Heiden übergehen sollte, die nicht glauben würden, wenn die Apostel ihnen das Evangelium predigten, es sei denn, der Herr selbst bereitete ihren Weg in den Herzen der Menschen. Das ist die Bedeutung jenes Wortes: Er wird vor euch nach Galiläa gehen. Dort werdet ihr ihn sehen, bedeutet: dort werdet ihr seine Glieder finden, dort werdet ihr seinen lebendigen Leib in denen erkennen, die euch aufnehmen. Nach der anderen Deutung, ‚Offenbarung‘, ist zu verstehen: Ihr werdet Ihn nicht mehr in der Gestalt des Knechtes sehen, sondern in der, in der Er dem Vater gleich ist. Jene Offenbarung wird das wahre Galiläa sein, wenn wir ihm gleich sein werden und Ihn sehen werden, wie Er ist. (1 Johannes 3,2.) Das wird der selige Übergang von dieser Welt zu jener Ewigkeit sein.