
Petrus Chrysologus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 28
8 Da eilten sie weg vom Grab, voll Furcht und großer Freude, und liefen zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. 9 Da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen zu ihm, umfassten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen; dort werden sie mich sehen.
(ubi sup.) Sie halten die Füße Christi fest, die in der Kirche den Typus der evangelischen Verkündigung darstellen und dieses Vorrecht durch ihr Laufen zu Ihm verdienen; und durch den Glauben halten sie die Fußspuren ihres Erlösers so fest, dass sie zur Ehre seiner vollkommenen Gottheit gelangen. Mit Recht wird der gesagt: Rühre mich nicht an, die ihren Herrn auf Erden betrauert und Ihn so tot im Grab sucht, dass sie nicht weiß, dass Er im Himmel beim Vater herrscht. Dass dieselbe Maria, einmal zur Höhe des Glaubens erhoben, Christus berührt und Ihn mit ganzer und heiliger Zuneigung festhält; und wieder, in der Schwäche des Fleisches und weiblicher Gebrechlichkeit niedergedrückt, zweifelt und es nicht verdient, ihren Herrn zu berühren, bereitet uns keine Schwierigkeit. Denn jenes ist ein Geheimnis, dieses ihre Geschlechtlichkeit; jenes ist göttliche Gnade, dieses menschliche Natur. Und so leben auch wir, wenn wir Erkenntnis der göttlichen Dinge haben, für Gott; wenn wir in menschlichen Dingen weise sind, werden wir durch uns selbst geblendet.