
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
6 Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: Man darf sie nicht in den Tempelschatz tun; denn es ist Blutgeld. 7 Nachdem sie Rat gehalten hatten, kauften sie davon den Töpferacker als Begräbnisplatz für die Fremden. 8 Deshalb heißt dieser Acker Blutacker bis auf den heutigen Tag. 9 So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke -- der Preis, den er den Söhnen Israels wert war -- 10 und gaben sie für den Töpferacker, wie es mir der Herr aufgetragen hatte.
(de Cons. Ev. iii. 7.) Wenn aber jemand meint, dies mindere die Glaubwürdigkeit des Historikers, so soll er zunächst wissen, dass nicht alle Abschriften der Evangelien den Namen Jeremias haben, sondern einige einfach „durch den Propheten“. Aber diese Verteidigung gefällt mir nicht, weil die zahlreicheren und älteren Abschriften Jeremias haben, und es keinen Grund geben könnte, den Namen hinzuzufügen und so einen Fehler zu machen. Doch die Streichung lässt sich gut durch die Dreistigkeit der Unwissenheit erklären, die den vorherigen Einwand gehört hatte. Es könnte also sein, dass dem Matthäus beim Schreiben der Name Jeremias statt des Namens Zacharias in den Sinn kam, wie es so oft geschieht; und dass er ihn sogleich korrigiert hätte, wenn er ihm von solchen, die dies lasen, während er noch im Fleische lebte, gezeigt worden wäre, hätte er nicht gedacht, dass sein Gedächtnis, vom Heiligen Geist geleitet, nicht so einen Namen statt eines anderen heraufbeschworen hätte, wenn nicht der Herr bestimmt hätte, dass es so geschrieben würde. Und warum Er es so bestimmt haben sollte, ist der erste Grund, dass es die wunderbare Übereinstimmung der Propheten vermittelt, die alle durch einen Geist sprachen, was viel größer ist, als wenn alle Worte aller Propheten durch den Mund eines einzigen Menschen geäußert worden wären; so dass wir ohne Zweifel annehmen, was der Heilige Geist durch sie sprach, jedes Wort gehört allen gemeinsam, und das Ganze ist die Äußerung eines jeden. Angenommen, es geschähe heute, dass jemand beim Zitieren der Worte eines anderen nicht den Namen des Sprechers, sondern den eines anderen nennt, der jedoch der größere Freund des anderen war, und sich dann sogleich erinnert und sich korrigiert, so könnte er doch hinzufügen: Dennoch habe ich recht, wenn du nur die enge Eintracht bedenkst, die zwischen den beiden besteht. Wie viel mehr ist dies bei den heiligen Propheten zu beachten! Es gibt einen zweiten Grund, warum der Name Jeremias in diesem Zitat aus Zacharias belassen werden sollte, oder vielmehr warum er vom Heiligen Geist eingegeben worden sein sollte. (Jer. 32:9.) Es wird bei Jeremias gesagt, dass er einen Acker vom Sohn seines Bruders kaufte und ihm Silber dafür gab, obwohl nicht die in Zacharias genannte Summe von dreißig Silberstücken. Dass der Evangelist hier die dreißig Silberstücke aus Zacharias auf dieses Geschehen in der Geschichte des Herrn angepasst hat, ist klar; aber er könnte auch mitteilen wollen, dass das, was Jeremias über den Acker sagt, hier mystisch angedeutet wird, und deshalb setzt er nicht den Namen des Zacharias, der von den dreißig Silberstücken sprach, sondern des Jeremias, der vom Kauf des Ackers sprach. So dass der Leser beim Lesen des Evangeliums und beim Finden des Namens Jeremias, aber nicht der Stelle über die dreißig Silberstücke, sondern des Berichts über den Kauf des Ackers, dazu veranlasst werden könnte, die beiden miteinander zu vergleichen und so aus ihnen den Sinn der Prophezeiung zu entnehmen, inwieweit sie sich auf das bezieht, was nun im Herrn erfüllt wurde. Denn was Matthäus zur Prophezeiung hinzufügt: „Den sie von den Kindern Israel schätzten, und sie gaben ihn für den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hat“, dieses „wie mir der Herr befohlen hat“ findet sich weder bei Zacharias noch bei Jeremias. Es muss also in der Person des Evangelisten als mit mystischer Bedeutung eingefügt verstanden werden, dass er durch Offenbarung erfahren hatte, dass die Prophezeiung sich auf diese Sache des Preises bezog, für den Christus verraten wurde.