Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
6 Als Jesus in Betanien war, im Hause Simons des Aussätzigen, 7 kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm und goss es über sein Haar, während er zu Tisch lag. 8 Als die Jünger das sahen, wurden sie ärgerlich und sagten: Wozu diese Verschwendung? 9 Das hätte man teuer verkaufen und den Erlös den Armen geben können. 10 Als Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: Was kränkt ihr die Frau? Sie hat doch eine gute Tat an mir getan. 11 Denn Arme habt ihr ja allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12 Als sie dieses Salböl über meinen Leib goss, hat sie es für mein Begräbnis getan. 13 Amen, ich sage euch: Wo immer auf der ganzen Welt dieses Evangelium verkündet wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.
Öl steht in der ganzen Schrift für das Werk der Barmherzigkeit, mit dem die Lampe des Wortes genährt wird; oder für die Lehre, deren Hören das Wort des Glaubens, sobald es entzündet ist, aufrechterhält. Alles, womit Menschen salben, wird umfassend Öl genannt; und eine Art von Öl ist Salböl, und eine Art von Salböl ist kostbar. So werden alle gerechten Handlungen gute Werke genannt; und von den guten Werken gibt es eine Art, die wir für oder an Menschen tun; eine andere, die wir für oder an Gott tun. Und auch diese, die wir für Gott tun, fördert teils nur das Wohl der Menschen, teils die Ehre Gottes. Zum Beispiel erweist jemand einem Menschen aus natürlichem Gerechtigkeitsgefühl eine Wohltat, nicht um Gottes willen, wie es einst die Heiden taten; ein solches Werk ist gewöhnliches Öl ohne feinen Duft, dennoch ist es Gott wohlgefällig, insofern, wie Petrus im Clemens sagt, die guten Werke, die die Ungläubigen tun, ihnen in dieser Welt nützen, aber nicht dazu dienen, ihnen das ewige Leben in der anderen zu erlangen. Diejenigen, die dasselbe um Gottes willen tun, nützen dadurch nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der nächsten, und was sie tun, ist wohlriechendes Salböl. Eine andere Art ist die, die zum Wohl der Menschen getan wird, wie Almosen und dergleichen. Wer dies an Christen tut, salbt die Füße des Herrn, denn sie sind die Füße des Herrn; und dies tun am meisten die Büßer zur Vergebung ihrer Sünden. Wer sich der Keuschheit widmet und in Fasten und Gebeten und anderen Dingen verharrt, die nur zur Ehre Gottes dienen, das ist das Salböl, das das Haupt des Herrn salbt, und mit dessen Duft die ganze Kirche erfüllt wird; dies ist das Werk, das nicht für Büßer, sondern für die Vollkommenen geeignet ist, oder die Lehre, die für die Menschen notwendig ist; aber das Bekenntnis des Glaubens, das allein Gott gehört, ist das Salböl, mit dem das Haupt Christi gesalbt wird, mit dem wir durch die Taufe in den Tod mit Christus begraben werden. (Röm. 6,4.)